Sehschule für Kinder

Die Sehschärfe (Visus) ist eine der drei Hauptfunktionen des visuellen Systems und stellt das wichtigste Maß für die funktionelle Leistung des Auges dar. Viele augenärztliche Entscheidungen haben als Grundlage die Sehschärfe, wie z.B. die Indikationsstellung für eine Operation oder Beurteilung von Therapieerfolgen und gutachterliche Fragestellungen.
Die Sehschärfe nimmt von der Geburt an stetig zu. Nachfolgend eine Tabelle der Visusentwicklung bei normalsichtigen Kindern.
| Alter/Jahre | 2 | 3 | 4 | 5-6 | 7-10 | ab 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Visus | 0,5 | 0,6 | 0,8 | 1,0 | 1,25 | 1,6 |
Ist das Sehen in der Kindheit beeinträchtigt, kann sich eine Amblyopie entwickeln (griech. „stumpfes Auge“, engl. „lazy eye“), auch Schwachsichtigkeit genannt. Eine Amblyopie entsteht vor allem im Kindesalter. Mit zunehmendem Alter wird die Wahrscheinlichkeit eine Amblyopie zu entwickeln, immer geringer bzw. nahezu unwahrscheinlich.
Schätzungen zufolge ist in Mitteleuropa bis zu etwa jedes 20. Kind von einer Amblyopie (Schwachsichtigkeit) betroffen. Wird sie früh erkannt und konsequent behandelt – etwa mit Brille und Abkleben des besseren Auges –, bessert sich die Sehschärfe bei vielen Kindern deutlich: In einer großen Studie erreichten rund drei von vier Kindern innerhalb von sechs Monaten das Behandlungsziel. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, weil sich die Sehschärfe nach Therapieende wieder verschlechtern kann.
Deswegen empfehlen Augen- und Kinderärzte eine augenärztliche Untersuchung nach Dringlichkeit gestaffelt:
Sofort bei sichtbaren Auffälligkeiten der Augen, wie z.B. Augenzittern, Hornhauttrübungen, grau-weißlichen Pupillen, großen lichtscheuen Augen oder bei Lidveränderungen, hier besonders Hängelidern, die die Pupille verdecken, und natürlich immer, wenn Sie sich nicht sicher sind.
Im Alter von 6 bis 12 Monaten bei erhöhtem Risiko für Schielen oder für Fehlsichtigkeiten (optische Brechungsfehler) oder für erbliche Augenerkrankungen. Das liegt z.B. vor bei Frühgeburten, Kindern mit Entwicklungsrückstand, Geschwistern oder Kindern von Schielern und stark Fehlsichtigen (besonders Übersichtigen), sowie bei Kindern aus Familien mit bekannten erblichen Augenerkrankungen.
Im Alter von 2 1/2 bis 3 1/2 Jahren und alle übrigen, auch unverdächtigen Kinder zur frühzeitigen Entdeckung eines kleinwinkligen Schielens oder von optischen Brechungsfehlern.
Quellen
BVA/DOG-Leitlinie Nr. 26a Amblyopie (Stand 2010), Link: dog.org/wp-content/uploads/sites/11/2009/09/LL-26-Amb-2010-12-29-mit-Inhaltsverz-+Interessenkonfl-Endversion.pdf
Pediatric Eye Disease Investigator Group. Arch Ophthalmol 2002;120:268–278. PMID 11879129