Glaukom/Grüner Star – Vorsorge und Behandlung
Was ist ein Glaukom?
Der grüne Star bzw. das Glaukom ist eine Erkrankung, die unbemerkt zum Abbau des Sehnervs führt. Ursächlich sind ein erhöhter Augeninnendruck und / oder eine Durchblutungsstörung dafür verantwortlich.
Wie häufig tritt der Grüne Star auf?
In Deutschland sind nach einer aktuellen Hochrechnung schätzungsweise knapp eine Million Menschen ab 40 Jahren an einem Glaukom (Grünen Star) erkrankt; etwa eine weitere Million hat einen erhöhten Augeninnendruck ohne bisherige Sehnervenschädigung – ein wichtiger Risikofaktor. Da ein Glaukom lange unbemerkt bleiben kann, kann eine augenärztliche Untersuchung auch ohne Beschwerden sinnvoll sein. Bei Selbstzahlerleistungen zur Früherkennung ist der Nutzen nicht für alle Untersuchungen eindeutig belegt; wir beraten Sie, was in Ihrer Situation sinnvoll ist. Die Erkrankungshäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter immer stärker an. Gefährdet sind auch Personen mit Diabetes mellitus, hochgradiger Kurzsichtigkeit oder Glaukom in der Familie.
Woran erkenne ich den Grünen Star?
Beim Glaukom kommt es zu einem Sehnervenfaserverlust, der über viele Jahre schleichend und unbemerkt das Gesichtsfeld schädigt. In den Spätstadien bemerkt der Patient eine verminderte Orientierung in der Dämmerung und Dunkelheit bzw. er sieht Dinge zu spät. Die Sehschärfe ist bis kurz vor der Erblindung sehr gut und kann nicht als Maß für einen Sehnervenschaden herangezogen werden. Hier eine Simulation des Sehens beim Grünen Star.
www.pro-retina.de/simulation/gruener-star
Quellen
Wolfram C. Klin Monbl Augenheilkd 2024;241:154–161. doi:10.1055/a-2257-6940
IQWiG (gesundheitsinformation.de): Grüner Star (Glaukom), aktualisiert 14.06.2023. www.gesundheitsinformation.de/gruener-star-glaukom.html
Wie wird die Diagnose gestellt?
Bei den erforderlichen Maßnahmen handelt es sich um (1) eine gezielte Untersuchung der Sehnerven verbunden mit (2) einer Messung des Augeninnendrucks sowie (3) die Messung des Gesichtsfeldes.
(1) Sehnerv
Es gibt verschiedene Methoden zur Beurteilung des Sehnervs. Die Standardmethode ist die ärztliche Betrachtung des Sehnervs an der Spaltlampe. Ergänzend lassen sich der Sehnerv fotografisch dokumentieren und die Nervenfaserschicht mit der OCT vermessen, um Veränderungen im Verlauf objektiver zu erfassen.
Mit der optischen Kohärenztomographie (OCT) lassen sich Sehnervenkopf und Nervenfaserschicht dreidimensional darstellen und in ihrer Dicke messen. Im Verlauf können so auch kleine Veränderungen erkannt werden – eine wertvolle Ergänzung für Diagnose und Verlaufskontrolle.
(2) Augeninnendruck
Es gibt mehrere Methoden zur Bestimmung des Augeninnendrucks. Die traditionelle Methode ist die Goldmann Applanationstonometrie. Neuere Messverfahren sind weniger von der Hornhautdicke abhängig und können zusätzliche Informationen liefern.
Mit Hilfe der dynamischen Konturtonometrie (PASCAL) misst der Augeninnendruck weitgehend unabhängig von der Hornhautdicke. Es wird ein Zweitwert bestimmt, die sog. okuläre Pulsamplitude (OPA: systolischer und diastolischer Wert). Ähnlich wie bei der Blutdruckmessung hat auch diese Amplitude für das Auge eine große Bedeutung:
Eine reduzierte Differenz zwischen Systole und Diastole kann ein Hinweis auf ein so genanntes Normaldruckglaukom sein. Der Sehnerv wird geschädigt, obwohl der Augendruck im Normbereich liegt. Umgekehrt kann eine hohe Differenz auf eine gute Durchblutung hinweisen. Dieses kann mit dem herkömmlichen Messverfahren nicht festgestellt werden.
Die okuläre Pulsamplitude kann zusätzliche Hinweise auf die Durchblutungssituation geben. Zusammen mit den übrigen Befunden hilft sie uns, Ihr persönliches Glaukomrisiko einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Behandlung oder Therapieänderung sinnvoll ist.
(3) Gesichtsfeld
Es gibt verschiedene Methoden zur Bestimmung des Gesichtsfeldes. Bei der herkömmlichen Methode wird bei einem hellen Hintergrund mit einem weißen Lichtpunkt unterschiedlicher Lichtstärke an verschiedenen Orten die Empfindlichkeit der Netzhaut gemessen (sog. Weiß-Weiß-Perimetrie). Ergänzend bieten wir die Blau-Gelb-Farbperimetrie an. Sie kann bestimmte Funktionsstörungen unter Umständen früher anzeigen als die herkömmliche Weiß-Weiß-Perimetrie.
Welche Therapie ist möglich?
Es gilt: je früher das Glaukom entdeckt und behandelt wird, umso mehr Sehnervenfasern können erhalten werden und umso geringer ist der Gesichtsfeldschaden.
Die meisten Glaukome lassen sich mit Augentropfen gut behandeln. Bei rechtzeitiger Behandlung und regelmäßigen Kontrollen gelingt es in vielen Fällen, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder deutlich zu verlangsamen. Reicht die Behandlung mit Tropfen nicht aus, kommen eine Laserbehandlung (SLT) in unserer Praxis oder eine Operation in einem spezialisierten Zentrum infrage. Die genannten Untersuchungen helfen uns, die für Sie passende Behandlung zu finden.
Weiterführende Literatur:
Internationale Glaukom-Richtlinien: ICOGlaucomaGuidelines-1